Ein Bericht von Gartenführerin Anne Rahn zum
Rheinhessenquadrat - Gärten 1816/2016

Vor ein paar Jahren wurden im Botanischen Garten Mainz regionale Gemüsesorten vorgestellt, die in Vergessenheit geraten waren. Damals wurde von diesen alten Sorten Samen verteilt, darunter auch der „Mombacher Wintersalat“. Ein Tütchen davon gelangte auf Umwegen auch zu mir: Besucher der Tage der offenen Gärten und Höfe in Rheinhessen haben mir ein paar Samenkörnchen aus ihrer eigenen Nachzucht mitgebracht.
Seit einigen Jahren kultiviere ich Wintersalat aus
eigener Samenernte. Es ist die alte Salatsorte „Brauner Wintersalat“ den ich Mitte September aussäe.
Die jungen, zarten Pflanzen halten Minus-Temperaturen aus und fallen im
Winter in eine Art Kälteschlaf.
Sobald der Boden sich wieder erwärmt und die Sonne länger scheint erwachen die zarten Pflanzen und wachsen weiter. Von April bis Mai können sie dann geerntet werden.
Brauner Wintersalat im Februar 2016
Sobald der Boden sich wieder erwärmt und die Sonne länger scheint erwachen die zarten Pflanzen und wachsen weiter. Von April bis Mai können sie dann geerntet werden.
Brauner Wintersalat Anfang Mai.
Jedes Jahr im Sommer, lasse ich einige der stärksten Wintersalatpflanzen
für Samen aufschießen. Wenn die Körnchen braun und reif sind, ernte ich sie. Diese
bewahre ich kühl und trocken auf und im September fängt der Kreislauf wieder von vorne an.
Samen des Wintersalates
Oft fällt der Samen an Ort und Stelle aus.
Dann nehme ich ihn auf und pikiere ihn in Multitopfplatten
Salatjungpflanzen von "Mombacher Winter"
in Multitopfplatten im Januar 2016
... und dekorativ in historischen Tontöpfchen
Zurzeit reift nun neben dem Braunen auch noch der Mombacher Wintersalat heran. Beide stehen proper da und ich freue mich jetzt schon auf den frischen, ersten Frühlingssalat!
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Nicht immer lohnt es sich, aus selbstgesammeltem Saatgut auch gartentauglichen Salat,
Gemüse oder Blumen heranzuziehen. Man benötigt dazu samenfestes
Saatgut. Samenfest ist eine Pflanzensorte dann, wenn aus ihrem Saatgut
Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben, wie ihre
Eltern. Solche Sorten sind oft alte Sorten.
Saatgut von Gemüse und Blumen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts weitgehend von
den Bauern und Gärtnern noch selbst gezogen. Der Forscher Gregor Mendel (1822 – 1884) war
noch nicht geboren und dadurch war das Wissen über Züchtungen und Kreuzungen
noch nicht bekannt.Sorten entstanden zufällig und wurden nicht gezielt gezüchtet. Viel eher fand eine Auswahl der Samenspender statt: hatte z.B. eine Pflanze große oder besonders wohlschmeckende Früchte getragen, wählte man diese zur Weitervermehrung. Oder: hatten Zierpflanzen besondere Blütenfarbe, wählte man diese zur Weitervermehrung usw.
Abgesehen von der eigenen Samengewinnung gibt es seit Beginn
des 19. Jahrhunderts schon die ersten Gartenbauunternehmer, die Saatgut anboten, so
z.B. Ernst Benary (1819 – 1893) in Erfurt.
Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Hybridzüchtung Einzug
in die Pflanzenzucht gehalten. Diese Züchtungen prophezeien eine verbesserte
Pflanzenqualität. So sollen sie bessere Wuchseigenschaften haben, höhere und
einheitlich wachsende Erträge liefern oder widerstandsfähig gegen Krankheiten
und Witterungseinflüsse sein. Der Nachteil ist, dass es unrentabel wurde,
selbst Samen von diesen Pflanzen zu sammeln. Die Nachkommen von F1-Hybriden
sind heterozygot, das heißt, ihre Erbanlagen spalten sich auf und danach sind
sie meistens wertlos für den Anbau. Im darauffolgenden Jahr ist man dann wieder
auf das Angebot der Samenfirmen angewiesen. Leider sind dadurch viele alte,
bewehrte Sorten schon sehr bald vom Markt verschwunden und die Angebotsvielfalt schrumpft weiterhin.
Wer heute noch nach alten Sorten sucht, die es schon vor 200 Jahren gab, muss lange suchen und so sind wir sehr oft auf neuere, samenfeste Sorten angewiesen. Wichtig für den Erfolg einer Sorte war damals und ist es immer noch - dass sie
Einige interessante Links zur Saatgutfindung:
Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
www.nutzpflanzenvielfalt.de
Wer heute noch nach alten Sorten sucht, die es schon vor 200 Jahren gab, muss lange suchen und so sind wir sehr oft auf neuere, samenfeste Sorten angewiesen. Wichtig für den Erfolg einer Sorte war damals und ist es immer noch - dass sie
- möglichst eine lange Ernteperiode hat
- gute Lagerfähigkeiten haben sollte
- gut zu konservieren ist
- komfortabel im Anbau ist
Einige interessante Links zur Saatgutfindung:
Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
www.nutzpflanzenvielfalt.de
www.dreschflegel-saatgut.de
Bingenheimer Saatgut AG
Kronstr. 24, 61209 Echzell
www.bingenheimersaatgut.de
Blauetikett-Bornträger GmbH
In den Aspen, 67591 Offstein
www.blauetikett.de
Melanie Grabner's Lilatomate,
Goethestraße 9, 67459 Böhl-Iggelheim
www.tomatenfinden.deGoethestraße 9, 67459 Böhl-Iggelheim
www.lilatomate.de
Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und ihre Entwicklung
www.arche-noah.at
Bundladen
www.bundladen.de